Eine stetig wachsende Sammlung

Jedes Jahr wächst der Bestand der Ratsschulbibliothek um ca. 4.000 Medien. Eine Übersicht über die aktuellen Neuzugänge bietet eine Recherche im RSB-OPAC (Suche im Feld Zugangsnummer das aktuelle Kalenderjahr vierstellig trunkiert, zum Beispiel: "2019*"). 

Neben einer Vielzahl aktueller Publikationen zur westsächsischen Region und zu verschiedenen Themen aus den Kultur- und Geisteswissenschaften erwirbt die Bibliothek auch regional- wie kunstgeschichtlich bedeutende Dokumente aus vergangenen Jahrhunderten. Besonders interessante Objekte stellen wir hier vor.     



Eine wunderliche Weissagung von dem Papsttum wie es ihm bis an das Ende der Welt gehen soll

Zwickau: Gabriel Kantz, 1527

[18] Blatt : 30 Illustrationen (Holzschnitte) ; 4°

VD16: W 4645

Zwickauer Nachdruck der Nürnberger Erstausgabe (1527) einer vom Nürnberger Reformator Andreas Osiander (1498-1552) herausgegebenen Holzschnittfolge, die antipäpstliche Polemik bildhaft in Szene setzt. Hans Sachs lieferte die erläuternden Verse, der Dichter wurde daraufhin vom Nürnberger Rat mit einem Publikationsverbot belegt.

2018 erworben mit Unterstützung des Fördervereins "Freunde der RSB Zwickau e.V.", Signatur 63.7.68 

Ein wunderliche Weissagung, Zwickau 1527
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Musikhandschrift des Jodocus Schalreuter
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Musikhandschrift des Jodocus Schalreuter (ca. 1487-1550)

Discantus-Stimmbuch. [Zwickau], ca. 1540-1550

45 gez. Bl. (18,5 cm x 23,5 cm).

Aus Privatbesitz erwarb die Bibliothek das nach seinem bisherigen Aufbewahrungsort benannte "Manuskript Utrecht", eine Musikhandschrift, die der vermögende Tuchhändler und humanistisch gebildete Zwickauer Bürger Jodocus Schalreuter (ca. 1487-1550) zwischen ca. 1540 und 1550 anlegte. Das Manuskript stellt das Diskant-Stimmbuch (höchste Stimme) eines ursprünglich aus fünf oder sechs Stimmbüchern bestehenden Konvoluts dar, dessen übrige Teile leider verloren sind.

Jodocus Schalreuter, dessen Schreiberhand als kalligraphisch schönste mitteldeutsche Musikerhandschrift des 16. Jahrhunderts gilt, zählt als Sammler von mehrstimmiger Musik zu den wichtigsten Persönlichkeiten der nachreformatorischen Musikpflege in Mitteldeutschland. Seine Notenhandschriften überliefern Werke berühmter europäischer Meister und regionaler Komponisten seiner Zeit, die in Kirche, Schule und protestantischem Bürgerhaus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert erklangen. Das Manuskript enthält die Diskantstimme zu 64, teilweise nur hier überlieferten Kompositionen. Es überwiegen lateinische und deutschsprachige Psalmvertonungen für vier bis sechs Stimmen, u.a. von Ludwig Senfl, Thomas Stoltzer, Ulrich Brätel sowie zahlreicher Komponisten des mittel- und oberdeutschen Raumes.

2017 erworben mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, dem Kulturraum Vogtland-Zwickau sowie des Fördervereins "Freunde der RSB Zwickau e.V.", Signatur: Mus.175

Tobias Schmidts „Chronica Cygnea“ (1656) mit handschriftlichen Ergänzungen des Zwickauer Lateinschulrektors David Winter (1643-1699)

Zwickau: Melchior Göpner, 1656

Teil 1: [16] Bl., 538 [i.e. 528] S., [23], [160] Bl.; Teil 2: [8] Bl., 732 S., [38] Bl.

VD17 23:235985G/7:694715Z

Mit dem Ankauf ergänzte die Bibliothek ihren Bestand an frühneuzeitlichen Aufzeichnungen zur Zwickauer Stadtgeschichte um eine interessante annalistische Quelle. Die „Chronica Cygnea“ des Zwickauer Pädagogen und theologen Tobias Schmidt (1605-1659) gilt als herausragendes Beispiel bürgerlicher Geschichtsschreibung im frühneuzeitlichen Sachsen. Vergleichsweise zahlreiche Exemplare von Schmidts „Chronica Cygnea“ haben sich über die Jahrhunderte erhalten. Häufig enthalten sie handschriftliche Ergänzungen von teilweise erheblichem Umfang, denen Historiker einen hohen Informationswert zumessen. Dies gilt auch für das vorliegende Exemplar des Zwickauer Lateinschulrektors David Winter (1643-1699), der den gedruckten Text um Informationen aus anderen annalistischen Aufzeichnungen, außerchronikalischen Quellen sowie eigenen Erlebnissen anreicherte und den bekannten Bestand an Zwickauer Chroniken des 17. Jahrhunderts um eine weitere Quelle aus der Perspektive des polyhistorisch interessierten Gelehrten ergänzt.

2018 erworben, Signatur 68.2.39 

Chronica Cygnea mit Ergänzungen David Winters
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